Aspirin nicht gleich wirksam wie Blutverdünnung

In einer multizentrischen Studie unter der Leitung des Universitätsspitals Basel und der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER Basel hat eine Forschungsgruppe unter Mitwirkung der Universität Basel, des Inselspitals, Universitätsspital Bern, der Universität Bern und weiterer Zentren die Gleichwertigkeit von Aspirin zu einer Blutverdünnung (Antikoagulation) untersucht. Die Studie zeigt, dass Aspirin im Fall einer Rissbildung in der Halsschlagader nicht gleich wirksam ist wie eine Blutverdünnung.

Rissbildungen an der Halsschlagader (Zervikalarteriendissektion) sind die häufigsten Ursachen eines Hirnschlags bei Personen unter 50 Jahren, mit einer jährlichen Häufigkeit von 2-3 Fällen pro 100’000 Personen. Zur Behandlung werden Präparate der Salicylsäure (Acetylsalicylsäure: Aspirin, Aspégic) und blutverdünnende Medikamente (Antikoagulantien) eingesetzt. Die multizentrische Therapiestudie «Biomarkers and Antithrombotic Treatment in Cervical Artery Dissection (TREAT-CAD, NCT02046460)» untersuchte, ob Einrisse in der Wand hirnversorgender Gefässe – Dissektionen genannt – mit Aspirin behandelt werden können oder ob eine aufwendigere Blutverdünnung (Antikoagulation) nötig ist. Die Ergebnisse wurden am 23. März 2021 in der Fachzeitschrift The Lancet Neurology publiziert.

Aspirin nicht gleich wirksam
An der Studie nahmen knapp 200 Patientinnen und Patienten teil. Die Auswertung zeigte, dass
in der Gruppe, die mit Aspirin behandelt wurde, 23 Prozent Folgeprobleme aufwiesen, gegenüber knapp 15 Prozent in der Gruppe mit einer Blutverdünnung. Damit ist erstmals in einer wissenschaftlichen Studie nachgewiesen worden, dass Aspirin bei Rissbildungen in der Halsschlagader in den ersten 90 Tagen nicht gleich wirksam ist wie eine Blutverdünnung mittels Antikoagulation.

Eine breit abgestützte Studie
Die internationale Studie wurde an zehn Zentren durchgeführt, davon sieben in der Schweiz, zwei in Deutschland und eines in Dänemark. Die Leitung der Studie lag bei Prof. Dr. Stefan Engelter (Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER, UAFP, Universität Basel und Stroke Center, Universitätsspital Basel, USB). Er wurde unterstützt durch Dr. Christopher Traenka (UAFP, USB), Prof. Dr. Philippe Lyrer (USB und Universität Basel), das Departement Klinische Forschung der Universität Basel und Prof. Dr. Marcel Arnold (Inselspital Bern, Universitätsspital Bern und Universität Bern).

Auswirkungen auf Richtlinien zu erwarten
Die Studie deutet darauf hin, dass Aspirin nicht ohne weiteres als Standardtherapie bei Zervikalarteriendissektion eingesetzt werden kann. Aspirin kann die herkömmliche Standardtherapie mit einer Blutverdünnung nicht einfach ersetzen. Allerdings ist mit den Ergebnissen dieser Studie eine generelle Überlegenheit der Blutverdünnung mit Antikoagulation bei Rissbildung in der Halsschlagader nicht bewiesen. Die Untersuchung weiterer Aspekte und eine Überprüfung der Nutzen-Risikoprofile müssen hier noch präzisere Angaben liefern.

Experten:

  • Prof. Dr. med. Stefan Engelter, Professor für Neurologie, Lehrstuhlinhaber Rehabilitation, Neurologie & Neurorehabilitation, Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER, Universität Basel, Switzerland, Leiter Hirnschlagzentrum, Departement Klinische Forschung, Universitätsspital Basel
  • Prof. Dr. med. Philippe Lyrer, Chefarzt a.i. Neurologie Universitätsspital Basel
  • Prof. Dr. med. Marcel Arnold, Chefarzt, Leiter Stroke Center, Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern
  • Dr. med. Christoph Traenka, Neurologie & Neurorehabilitation, Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER, Universität Basel, Switzerland (Forschungsassistent), Neurologie und Stroke Center, Universitätsspital und Universität Basel, Switzerland (Assistenzarzt)


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Rissbildung an der Halsschlagader (Zervikalarterien-Dissektion) ist die häufigste Ursache eines Hirnschlags bei Personen unter 50 Jahren

Die Gleichwertigkeit von Aspirin mit einer Antikoagulation in den ersten 90 Tagen konnte nicht belegt werden. Fazit: Aspirin kann in den ersten 90 Tagen nicht ohne weiteres als Standardtherapie bei Zervikalaortendissektion eingesetzt werden.

Prof. Dr. med. Marcel Arnold, Chefarzt, Leiter Stroke Center, Universitätsklinik für Neurologie, Inselspital, Universitätsspital Bern und Universität Bern