Bereich Universitäre Forschung Pflege und Hebammen (Uni Basel)

Der Bereich Universitäre Forschung Pflege wurde im Mai 2014 als Teil der Akademie-Praxis-Partnerschaft zwischen dem Inselspital Bern und dem Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel eingerichtet. Das Ziel der Akademie-Praxis-Partnerschaft ist durch Forschung, Lehre sowie Pflege auf hohem Niveau bessere Gesundheitsergebnisse für die Bevölkerung zu erreichen. Durch die Zusammenarbeit in der Forschung, Lehre und Dienstleistung, wird eine gemeinsame Nachwuchsförderung und Entwicklung von Kapazitäten in der Pflege angestrebt.

Der Bereich wird durch Prof. Dr. Michael Simon geleitet und ist eng mit der Patient Safety and Quality of Care Research Group am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Basel verbunden. Die Forschungsschwerpunkte sind die Arbeitsumgebung von Pflegefachpersonen und ihre Auswirkung auf Patienten- und Personalergebnisse, die Messung von Pflegequalität und die Entwicklung von neuen Versorgungsmodellen in der akutstationären- und Langzeitversorgung.

Nachfolgend finden Sie die Beschreibungen der laufenden Projekte:

GTT Review EHR

ERKENNUNG VON UNERWÜNSCHTEN EREIGNISSEN IN DER ELEKTRONISCHEN PATIENTENAKTE: EINE SYSTEMATISCHE ÜBERSICHTSARBEIT

HINTERGRUND

Die Erkennung von unerwünschten Ereignissen ist für Ärzte und Pflegende von höchster Bedeutung. Krankenhausinformationssysteme (KIS) sind eine vielversprechende Datenquelle für die zuverlässige Identifizierung von unerwünschten Ereignissen (1). Bis heute sind standardisierte Erfassungen durch Ereignismeldungen (Incident Reports) oder kodierte Entlassungsdaten (ICD) die häufigsten Methoden, um unerwünschte Ereignisse zu identifizieren (2,3). Das Global Trigger Tool (GTT) ist ein alternatives Verfahren, welches durch “Trigger” potentiell unerwünschte Ereignisse aus der Patientenakte retrospektiv identifiziert (4). Diese Technik erfordert die interprofessionelle Zusammenarbeit von Pflegenden und Ärzten, damit unerwünschte Ereignisse zuverlässig erkannt werden können.

Bisher gibt es keine systematische Übersichtsarbeit, welche die diagnostische Genauigkeit der verschiedenen Methoden zur Identifizierung von unerwünschten Ereignissen mit dem GTT vergleicht.

ZIELE

Die Ziele der systematischen Literaturanalyse sind:

  • Die Bewertung und Synthese des aktuellen Forschungsstands zur diagnostischen Genauigkeit des GTT für die Erkennung unerwünschter Ereignisse.
  • Die Beschreibung der Methoden, die für die Abbildung der “Trigger” und unerwünschten Ereignisse im KIS verwendet werden.

METHODEN

Mit dieser Systematischen Literaturübersicht werden Beobachtungsstudien von Medizin-, Chirurgie und Intensivabteilungen identifiziert. Diese werden hinsichtlich Vorhandensein von GTT-Kriterien im KIS untersucht, um somit die diagnostische Genauigkeit von unerwünschten Ereignissen im KIS zu überprüfen.

ERWARTETER NUTZEN

Die vorliegende Untersuchung ist die erste systematische Überprüfung zur Erkennung von nicht-medikationsbasierten, unerwünschten Ereignissen mit dem GTT im KIS. Die Arbeit bildet die Basis um rasche, genaue und kostengünstige Methoden zur Extraktion unerwünschter Ereignisse aus KIS und effektive, interprofessionelle Strategien zur Patientensicherheit zu entwickeln.

FORSCHUNGSGRUPPE 

Sarah N. Musy1,2
Natascha M. Baumann1
Dietmar Ausserhofer2,3
René Schwendimann2,4
Hans Ulrich Rothen5
Marie-Madlen Jeitziner5
Anne W.S. Rutjes6
Michael Simon1,2

1 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
2 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
3 Claudiana, College of Health-Care Professions, Bozen, Italien
4 Universität Basel, Fachstelle Patientensicherheit, Schweiz
5 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitätsklinik für Intensivmedizin, Schweiz
6 CTU Bern, Universität Bern, Schweiz

REFERENZEN

1. Car et al. (2008): The impact of eHealth on the quality and safety of healthcare.
2. Classen et al. (2011): ‘Global Trigger Tool’ Shows That Adverse Events In Hospitals May Be Ten Times Greater Than Previously Measured.
3. Doupi (2011): Using EHR data for monitoring and promoting patient safety: reviewing the evidence on trigger tools.
4. Doupi et al. (2015). Use of the Global Trigger Tool in patient safety improvement efforts: Nordic experiences.

GTT Review allgemein

ERKENNUNG VON UNERWÜNSCHTEN EREIGNISSEN IN AKUTSPITÄLERN MIT TRIGGER-TOOLS: EINE SYSTEMATISCHE ÜBERSICHTSARBEIT

HINTERGRUND

Die Erkennung von unerwünschten Ereignissen ist für Ärzte und Pflegende von höchster Bedeutung. Krankenhausinformationssysteme (KIS) sind eine vielversprechende Datenquelle für die zuverlässige Identifizierung von unerwünschten Ereignissen (1). Bis heute sind standardisierte Erfassungen durch Ereignismeldungen (Incident Reports) oder kodierte Entlassungsdaten (ICD) die häufigsten Methoden, um unerwünschte Ereignisse zu identifizieren (2,3). Das Global Trigger Tool (GTT) ist ein alternatives Verfahren, welches durch “Trigger” potentiell unerwünschte Ereignisse aus der Patientenakte retrospektiv identifiziert (4). Diese Technik erfordert die interprofessionelle Zusammenarbeit von Pflegenden und Ärzten, damit unerwünschte Ereignisse zuverlässig erkannt werden können.

Bisher gibt es keine systematische Übersichtsarbeit, welche die diagnostische Genauigkeit der verschiedenen Methoden zur Identifizierung von unerwünschten Ereignissen mit dem GTT vergleicht.

ZIELE

Die Ziele der systematischen Literaturanalyse sind:

  • Die Studienlage zu unerwünschten Ereignissen im Akutbereich zusammenzufassen und kritisch zu analysieren.
  • Analyse der Variabilität von Erkennungsraten von unerwünschten Ereignissen in Studien auf Grund unterschiedlicher Verfahrensweisen und Studienmethodik.

METHODEN

Mit dieser Systematischen Literaturübersicht werden Studien zur Anwendung von Trigger-Tool- Methoden im erwachsenen medizinischen-, chirurgischen und onkologischen Setting identifiziert und miteinander verglichen.

ERWARTETER NUTZEN

Die in den Trigger-Tool-Studien berichteten unerwünschten Ereignisse können erheblich variieren. Diese Arbeit trägt dazu bei ein besseres Verständnis dafür zu erhalten, wie Studienmerkmale zu dieser Variation beitragen.

FORSCHUNGSGRUPPE

Natascha M. Baumann1
Sarah N. Musy1,2
Anne W.S. Rutjes3
Jacques Donzé4,8,9
Maria Unbeck5
Dietmar Ausserhofer2,6
René Schwendimann2,7
Michael Simon1,2

1 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
2 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
3 CTU Bern, Universität Bern, Schweiz
4 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Allgemeine Innere Medizin, Schweiz
5 Department of Clinical Sciences, Danderyd Hospital, Karolinska Institutet, Schweden
6 Claudiana, College of Health-Care Professions, Bozen, Italien
7 Universität Basel, Fachstelle Patientensicherheit, Schweiz
8 Brigham and Women’s Hospital, Boston, MA, USA
9 Harvard Medical School, Boston, MA, USA

REFERENZEN

1. Car et al. (2008): The impact of eHealth on the quality and safety of healthcare.
2. Classen et al. (2011): ‘Global Trigger Tool’ Shows That Adverse Events In Hospitals May Be Ten Times Greater Than Previously Measured.
3. Doupi (2011): Using EHR data for monitoring and promoting patient safety: reviewing the evidence on trigger tools.
4. Doupi et al. (2015). Use of the Global Trigger Tool in patient safety improvement efforts: Nordic experiences.

GTT Allgemeine Innere Medizin

ERKENNUNG VON UNERWÜNSCHTEN EREIGNISSEN MIT DEM GLOBAL TRIGGER TOOL AUF DER ALLGEMEINEN INNEREN MEDIZIN- EINE DESKRIPTIVE STUDIE

HINTERGRUND

Die Erkennung von unerwünschten Ereignissen ist für Ärzte und Pflegende von höchster Bedeutung. Krankenhausinformationssysteme (KIS) sind eine vielversprechende Datenquelle für die zuverlässige Identifizierung von unerwünschten Ereignissen (1). Bis heute sind standardisierte Erfassungen durch Ereignismeldungen (Incident Reports) oder kodierte Entlassungsdaten (ICD) die häufigsten Methoden, um unerwünschte Ereignisse zu identifizieren (2,3). Das Global Trigger Tool (GTT) ist ein alternatives Verfahren, welches durch “Trigger” potentiell unerwünschte Ereignisse aus der Patientenakte retrospektiv identifiziert (4). Diese Technik erfordert die interprofessionelle Zusammenarbeit von Pflegenden und Ärzten, damit unerwünschte Ereignisse zuverlässig erkannt werden können.

Bisher gibt es keine systematische Übersichtsarbeit, welche die diagnostische Genauigkeit der verschiedenen Methoden zur Identifizierung von unerwünschten Ereignissen mit dem GTT vergleicht.

ZIELE

Die Ziele der deskriptiven Studie sind:

  • Die Prävalenz unerwünschter Ereignisse auf Grundlage des GTT zu ermitteln.
  • Die Entdeckungsrate unerwünschter Ereignisse des GTT mit den PSI auf Grundlage von Entlassungsdaten, sowie den Sturzdaten in der Allgemeinen Inneren Medizin des Inselspitals zu vergleichen.
  • Entwicklung und Testung von Algorithmen zur Identifizierung von unerwünschten Ereignissen in der elektronischen Patientenakte auf Grundlage der GTT-Methodik.

METHODEN

Ein Review- Team, bestehend aus zwei Pflegefachpersonen und einem Arzt (Supervisor), durchsuchen anhand des GTT monatlich 20 randomisiert ausgewählte Patientenakten systematisch nach möglichen Trigger. Wird ein Trigger gefunden, wird gezielt nach einem entsprechenden unerwünschten Ereignis und dessen Auswirkungen auf den Patienten gesucht (5).

ERWARTETER NUTZEN

Die Identifizierung von Triggern und unerwünschten Ereignis weist auf ein Automatisierungspotenzial durch die elektronische Patientenakte hin. Durch die manuelle Erfassung von Triggern und erwünschten Ereignissen besteht die Möglichkeit entsprechende Algorithmen zu entwickeln, um Trigger und/oder unerwünschte Ereignisse automatisiert (strukturierte Daten) oder teil-automatisiert (unstrukturierte Daten, Freitexte) zu erfassen. Dies würde langfristig eine zeitnahe und kostengünstig Erfassung von unerwünschten Ereignissen ermöglichen.

FORSCHUNGSGRUPPE

Barbara Schärer1
Franziska Gratwohl2
Nicole Grossmann2
Natascha M. Baumann3
Sarah N. Musy3,4
Jacques Donzé2,5,6
Michael Simon3,4

1Inselgruppe Universitätsspital Bern, Bereich Fachentwicklung, Schweiz
2Inselgruppe Universitätsspital Bern, Allgemeine Innere Medizin, Schweiz
3Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
4Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
5Brigham and Women’s Hospital, Boston, MA, USA
6Harvard Medical School, Boston, MA, USA

REFERENZEN

1. Car et al. (2008): The impact of eHealth on the quality and safety of healthcare.
2. Classen et al. (2011): ‘Global Trigger Tool’ Shows That Adverse Events In Hospitals May Be Ten Times Greater Than Previously Measured.
3. Doupi (2011): Using EHR data for monitoring and promoting patient safety: reviewing the evidence on trigger tools.
4. Doupi et al. (2015). Use of the Global Trigger Tool in patient safety improvement efforts: Nordic experiences.
5. Griffin, F.A. and R.K. Resar, IHI Global Trigger Tool for measuring adverse events. Institute for Healthcare Improvement Innovation Series White Paper, 2009.

GTT Intensivmedizin

UNERWÜNSCHTE EREIGNISSE BEI ERWACHSENEN PATIENTEN UND PATIENTINNEN AUF DER INTENSIVSTATION: EINE DESKRIPTIVE STUDIE

HINTERGRUND

Für Patientinnen und Patienten der Intensivstation ist das Risiko eines unerwünschten Ereignisses besonders hoch. Gründe dafür sind ihr Gesundheitszustand sowie die vielen diagnostischen und therapeutischen Interventionen (1). Deshalb ist zur Verbesserung der Patientensicherheit eine effektive Methode zur Erfassung unerwünschter Ereignisse von hohem Interesse.

Bis heute sind standardisierte Ereignismeldungen, sogenannte Incident Reports, oder kodierte Entlassungsdaten (ICD) die häufigsten Methoden, die unerwünschte Ereignisse identifizieren (2,3).
Das Global Trigger Tool (GTT) ist ein alternatives Verfahren, das durch Trigger potenziell unerwünschte Ereignisse aus der Patientenakte rückblickend identifiziert (4). Diese Technik erfordert die interprofessionelle Zusammenarbeit von Pflegefachpersonen, Ärzten und Ärztinnen, damit unerwünschte Ereignisse zuverlässig erkannt werden können. Das GTT ist bisher beschrieben worden auf medizinischen und chirurgischen Abteilungen in Akutspitälern als eine effektive Methode zur Ermittlung von unerwünschten Ereignissen (5). Es ist jedoch wenig über den Einsatz dieses Tools auf Intensivstationen für Erwachsene bekannt.

ZIEL

Das Ziel dieser Studie ist es, die Entdeckungsrate der unerwünschten Ereignisse auf der Erwachsenen-Intensivstation des Inselspitals zu erfassen. Dabei werden drei Erfassungsinstrumente miteinander verglichen: das GTT, die selbst entwickelten Trigger und die Patient Safety Indicators (PSI).

METHODE

Ein Review-Team besteht aus zwei Pflegefachpersonen und einem Arzt als Supervisor. Das Team durchsucht mit dem GTT 250 randomisierte elektronische Dossiers von Patienten, die mehr als 7 Tage auf der Intensivstation hospitalisiert waren, systematisch nach Triggern. Wird ein Trigger gefunden, wird gezielt nach einem entsprechenden unerwünschten Ereignis und dessen Auswirkungen auf den Patienten gesucht (5).

ERWARTETER NUTZEN

Die Ergebnisse dieser Studie tragen zu einem besseren Verständnis von unerwünschten Ereignissen auf Intensivstationen bei. Darüber hinaus unterstützen die Ergebnisse eine wirksame Förderung der Patientensicherheit, denn diese Ermittlungen werden künftig zur Erfassung kritischer Ereignisse eingesetzt. Weiter können durch die Studie relevante Problemfelder für unerwünschte Ereignisse identifiziert und Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Zudem können belastende Erfahrungen durch kritische Ereignisse für Patienten, Angehörige und das Betreuungsteam verringert werden.

FORSCHUNGSGRUPPE 

Kathrin Thormann1
Marie-Madlen Jeitziner2
Michael Simon3,4

1 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitätsklinik für Dermatologie, Schweiz
2 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitätsklinik für Intensivmedizin, Schweiz
3 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
4 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz

REFERENZEN

1. Resar, R. K., Rozich, J. D., Simmonds, T., & Haraden, C. R. (2006). A trigger tool to identify adverse events in the intensive care unit. Joint Commission journal on quality and patient safety / Joint Commission Resources, 32(10), 585-590.2.
2. Classen et al. (2011): ‘Global Trigger Tool’ Shows That Adverse Events In Hospitals May Be Ten Times Greater Than Previously Measured.Doupi (2011): Using EHR data for monitoring and promoting patient safety: reviewing the evidence on trigger tools.
3. Doupi et al. (2015). Use of the Global Trigger Tool in patient safety improvement efforts: Nordic experiences.
4. Health Quality & Safety Commission. (2013). Global Trigger Tools: A Review of the Evidence. Retrieved from http://www.hqsc.govt.nz/assets/GTT/GTT-evidence-review-Oct-2013.pdf.

INTERCARE

PFLEGEGELEITETE VERSORGUNGSMODELLE IN SCHWEIZER PFLEGEINSTITUTIONEN: VERBESSERUNG DER INTERPROFESSIONELLEN PFLEGE FÜR BESSERE BEWOHNERERGEBNISSE-INTERCARE

HINTERGRUND

In Alters- und Pflegeinstitutionen leben zunehmend ältere Menschen in komplexen Versorgungssituationen, welche eine hohe geriatrische Expertise erfordern. Eine sichere, personenzentrierte, kosteneffiziente und integrierten Pflege anzubieten ist eine hohe Priorität im Schweizer Gesundheitswesen. Mit der zunehmenden Komplexität nimmt gleichzeitig auch der Mangel an qualifiziertem Fachpersonal inklusive von Hausärzt/innen zu, und die direkte Pflege und Betreuung wird von Personal mit weniger Ausbildung übernommen. Um die Pflegequalität zu erhalten ist es deshalb wichtig, hochqualifiziertes Personal mit geriatrischer Expertise so einzusetzen, dass ihre Ressourcen optimal genutzt werden können.
Eine zusätzliche Gefährdung der Pflegequalität entsteht bei den Nahtstellen zwischen Pflegeinstitutionen und Spitälern, Hausärzten und anderen Leistungserbringern. So hat z. B. die Reduktion von vermeidbaren Hospitalisierungen eine hohe Priorität, nicht nur wegen der damit verbundenen höheren Gesundheitskosten, sondern vor allem weil Hospitalisierungen bei älteren Menschen zu einer höheren Mortalität, Funktionseinschränkungen, Delir, und Stürzen führen können. Zwischen 19% und 67% der Spitaleinweisungen aus Pflegeinstitutionen werden als vermeidbar eingestuft (1). Als Ursachen gelten z. B. die fehlende frühzeitige Erkennung von Verschlechterungen bei chronischen Erkrankungen, eine fehlende vorausschauende Planung mit Bewohner/innen und Familien rund ums Lebensende, sowie der fehlende Zugang zu ärztlichen Dienstleistungen / Geriater/innen und ersten diagnostischen Massnahmen im Notfall (2-4).
Eine Antwort auf die beschriebenen Herausforderungen sind neue Versorgungsmodelle, wie sie bereits in verschiedenen Ländern entwickelt wurden (5,6). Schlüsselelemente von diesen Modellen sind interprofessionelle Gesundheitsteams mit einem Skillmix, der erlaubt, die spezifischen Gesundheitsbedürfnisse von älteren Menschen zu decken, die Koordination von Übergängen an den Nahtstellen zu verbessern, das Pflege- und Betreuungspersonal in Pflegeinstitutionen in ihrer klinischen Expertise zu befähigen, und die Pflegeentwicklung zu unterstützen (7). Solche Teams werden oft von Advanced Practice Nurses (APNs) geführt, also Pflegenden mit einer vertieften klinischen Ausbildung nach dem Masterstudium, die es ihnen ermöglicht komplexe Gesundheitsbedürfnisse zu adressieren.
Solche pflegegeleitete Versorgungsmodelle wurden bereits in anderen Ländern in der Langzeitpflege mit Erfolg implementiert und führen zu besserer Pflegequalität (besseres Schmerzmanagement, weniger Dekubitus, Stürze, Hospitalisierungen, usw.), bessere Bewohnergesundheit und -zufriedenheit (5, 7-9).
Bisher ist wenig bekannt zum Einsatz von APN in Schweizer Pflegeinstitutionen (10). Die Ausbildung zur APN wird in der Schweiz erst seit kurzem angeboten und viele der Rollen befindet sich noch im Aufbau. Verschiedene Barrieren können die Einführung dieser neuen Rollen behindern, wie z. B. mangelndes Verständnis im Betrieb oder unklare Rollen und Kompetenzen. Ebenso ist offen, ob nicht geriatrische Expert/innen mit unterschiedlichem Qualifikationshintergrund eine klinische Führungsrolle übernehmen könnten. Dementsprechend ist es wichtig, vor der breiten Implementierung sorgfältig den Kontext, die Rolle, Aufgaben, Kompetenzen, Ziele und erwartete Wirkung mit Stakeholdern zu klären (11, 12).  

ZIELE

Das Ziel des Projektes ist es, ein pflegegeleitetes Versorgungsmodell zur Betreuung und Pflege von multimorbiden  Bewohner/innen von Alters- und Pflegeinstitutionen in komplexen Versorgungssituationen zu entwickeln und im Hinblick auf vermeidbare Hospitalisierungen zu überprüfen.

METHODEN

Das Projekt besteht aus zwei Phasen, die sich über 4 Jahre erstrecken (2017 – 2021):

Phase A: Entwicklung eines neuen, evidenzbasierten Versorgungsmodells für den Schweizer Kontext (2017-2018)
Dazu werden in einem ersten Schritt bestehende Modelle beschrieben mit Hilfe einer internationalen Literaturübersicht und der Analyse von in der deutschen, französischen und italienischen Schweiz bereits umgesetzten Modellen. Als Grundlage dient das PEPPA-Plus Framework, ein partizipativer, evidenzbasierter und patientenzentrierter Prozess zur APN-Rollenentwicklung (13). Zusammen mit Stakeholdern aus Pflegeinstitutionen, Heimverbänden, Berufsverbänden, APN-Vertretungen, Berufsausbildung, Politik, Versicherung und Patientenvertretungen wird ein Modell im Schweizer Kontext entwickelt. Hierfür werden einerseits grundlegende Kernelemente des Modells definiert und andererseits variable Elemente beschrieben, die dem lokalen Kontext situativ angepasst werden können. Dabei kann ein variables Element das Qualifikationsniveau der geriatrischen Expert/innen sein.

Phase B: Implementierung und Evaluation des neuen, pflegegeleiteten Versorgungsmodell im Rahmen eines Pilotprojektes (2018-2021)
Das neu entwickelte Versorgungsmodell wird von 12 Pflegeinstitutionen in der deutschen und französischen Schweiz pilotiert und evaluiert. Als Grundlage dient in dieser Phase das Consolidated Framework For Implementation Research (CFIR), das ein strukturiertes Vorgehen bei der Implementierung und Evaluation von Neuerungen bietet (14). Für den Pilot von 18 Monaten Dauer wird ein stepped-wedge-design gewählt, das erlaubt, dass jedes Heim zunächst als Kontrolle und dann als Interventionsbetrieb dient. Evaluationsdaten werden sowohl durch schriftliche Befragungen und Interviews, wie auch aus gezielt erhobenen Outcomedaten sowie Routinedaten wie das RAI-MDS erhoben. Dabei werden das Führungspersonal der Pflegeinstitutionen, das Pflege- und Betreuungspersonal, Bewohner/innen und Angehörige, Ärzt/innen sowie die APN selber zum neuen Versorgungsmodell befragt. Neben klinischen Outcomes, werden ausserdem Service- und Implementierungsoutcomes erfasst. Zu den ersten gehören vermeidbare Hospitalisierungen, die vier neuen nationalen Qualitätsindikatoren Schmerz, Gewichtsverlust, Polypharmazie und bewegungseinschränkende Massnahmen, sowie die Zufriedenheit von Bewohner/innen und Angehörigen mit z. B. der Pflegequalität oder dem Informationsfluss. Bezüglich den Serviceoutcomes werden Bewohnerinnen, Angehörige und Personal zur Wirksamkeit, Effektivität, Patientenzentriertheit und  Rechtzeitigkeit des neuen Modells befragt. Zu den Implementierungssoutcomes zählen unter anderem die Überprüfung von Akzeptanz, Umsetzungsgrad, Umsetzbarkeit, Nachhaltigkeit und Kosten des neuen Versorgungsmodells.

ERWARTETER NUTZEN

Die Studie wird erste evidenzbasierte Aussagen zum Einsatz von hochqualifiziertem Pflegepersonal in interprofessionellen Teams in Schweizer Pflegeinstitutionen erlauben. Es adressiert damit den mangelnden Zugang zu geriatrischer Expertise in Schweizer Pflegeinstitutionen und entwickelt nachhaltige Lösungsmöglichkeiten. Die Studie wird drei öffentlich zugängliche Berichte in den drei Landesssprachen erstellen: 1) Beispiele von Versorgungsmodellen, 2) Beschreibung eines auf die Schweiz angepassten pflegegeleiteten Versorgungsmodell mit Kern- und variablen Elementen sowie einer Implementierungsscheckliste, und 3) Evaluationsbericht aus der Pilotstudie. Dies wird Stakeholdern aus Alters- und Pflegeinstitutionen sowie der Politik das Rüstzeug für eine weitere Ausdehnung des Modells geben.

FORSCHUNGSGRUPPE

Michael Simon1,2
Franziska Zúñiga1
Sabina De Geest1
Dunja Nicca1
Andreas Zeller3
Reto Kressig4
Carlo De Pietro5
Nathalle Wellens6
Mario Desmedt7

1 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
2 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen
3 Universitären Zentrum für Hausarztmedizin beider Basel
4 Universitären Zentrum für Altersmedizin und Rehabilitation der Universität Basel
5 Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana (SUPSI)
6 Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV), Lausanne
7 Hôpital ophtalmique Jules-Gonin (HOJG), Fondation Asile des aveugles (FAA), Lausanne

REFERENZEN

1. Graverholt, B., Forsetlund, L. and Jamtvedt, G. (2014). Reducing hospital admissions from nursing homes: a systematic review. BMC Health Services Research, 14, 36.
2. Grabowski, D. C., Stewart, K. A., Broderick, S. M. and Coots, L. A. (2008). Predictors of Nursing Home Hospitalization: A Review of the Literature. Medical Care Research and Review, 65(1), 3-39.
3. Bally, K. W. and Nickel, C. (2013). [Acute hospital admissions among nursing home residents--benefits and potential harms]. Praxis (Bern 1994), 102(16), 987-91.
4. Sechaud, L., Goulet, C., Morin, D. and Mazzocato, C. (2014). Advance care planning for institutionalised older people: an integrative review of the literature. Int J Older People Nurs, 9(2), 159-68.
5. Bakerjian, D. (2008). Care of nursing home residents by advanced practice nurses: A review of the literature. Research in Gerontological Nursing, 1(3), 177-185.
6. Mezey, M., Burger, S. G., Bloom, H. G., Bonner, A., Bourbonniere, M., Bowers, B., Burl, J. B., Capezuti, E., Carter, D., Dimant, J., Jerro, S. A., Reinhard, S. C. and Ter Maat, M. (2005). Experts recommend strategies for strengthening the use of advanced practice nurses in nursing homes. Journal of the American Geriatrics Society, 53(10), 1790-7.
7. McAiney, C. A., Haughton, D., Jennings, J., Farr, D., Hillier, L. and Morden, P. (2008). A unique practice model for nurse practitioners in long-term care homes. Journal of Advanced Nursing, 62(5), 562-571.
8. Donald, F., Martin-Misener, R., Carter, N., Donald, E. E., Kaasalainen, S., Wickson-Griffiths, A., Lloyd, M., Akhtar-Danesh, N. and DiCenso, A. (2013). A systematic review of the effectiveness of advanced practice nurses in long-term care. Journal of Advanced Nursing, 69(10), 2148-61.
9. Ouslander, J. G., Bonner, A., Herndon, L. and Shutes, J. (2014). The interventions to reduce acute care transfers (INTERACT) quality improvement program: An overview for medical directors and primary care clinicians in long term care. Journal of the American Medical Directors Association, 15(3), 162-70.
10. Zúñiga, F., Jenni, G., Wiesli, U. and Schwendimann, R. (2010). Entwicklung der Rolle der Advanced Practice Nurse in der stationären Langzeitpflege älterer Menschen in der Schweiz. Pflege, 23(6), 375-383.
11. Jones, M. L. (2005). Role development and effective practice in specialist and advanced practice roles in acute hospital settings: Systematic review and meta-synthesis. Journal of Advanced Nursing, 49(2), 191-209.
12. Vogelsmeier, A., Popejoy, L., Rantz, M., Flesner, M., Lueckenotte, A. and Alexander, G. (2015). Integrating advanced practice registered nurses into nursing homes: The Missouri Quality Initiative Experience. Journal of Nursing Care Quality, 30(2), 93-98.
13. Bryant-Lukosius, D., Spichiger, E., Martin, J., Stoll, H., Kellerhals, S. D., Fliedner, M., Grossmann, F., Henry, M., Herrmann, L., Koller, A., Schwendimann, R., Ulrich, A., Weibel, L., Callens, B. and De Geest, S. (2016). Framework for Evaluating the Impact of Advanced Practice Nursing Roles. Journal of Nursing Scholarship, 48(2), 201-9.
14. Damschroder, L., Aron, D., Keith, R., Kirsh, S., Alexander, J. and Lowery, J. (2009). Fostering implementation of health services research findings into practice: A consolidated framework for advancing implementation science. Implementation Science, 4(1), 50.

INTERCARE wird von Schweizerischen Nationalfonds im Rahmen des Nationalen Forschungsprogramm 74 "Gesundheitsversorgung" finanziert.

MANOSS

MANAGEMENT OF PATIENTS WITH SYSTEMIC SCLEROSIS (MANOSS PROJEKT): EINE MIXED METHODS STUDIE ZUM MANAGEMENT DER CHRONISCHEN ERKRANKUNG UND DIE ENTWICKLUNG EINES NEUEN VERSORGUNGSMODELLS

HINTERGRUND

Systemsklerose (SSc) ist eine seltene Autoimmunerkrankung, die durch entzündliche Veränderungen und Verhärtungen der Haut, Gelenke, Sehnen und inneren Organe zu Behinderung, verminderter Lebensqualität und erhöhter Mortalität führen kann (1). Menschen, welche mit einer seltenen Erkrankung wie der SSc leben, haben häufig ungenügenden Zugang zu einer spezialisierten Gesundheitsversorgung (2). Um klinische und ökonomische Ergebnisse in dieser Patientengruppe zu verbessern, braucht es ein koordiniertes und fachkompetentes Management der chronischen Erkrankung (Chronic Illness Management, CIM) sowie die Unterstützung des Patienten, die Erkrankung und ihre Folgen möglichst aktiv und kompetent im Alltag zu managen (Self-management) (3-5). Gerade bei einer seltenen chronischen Erkrankung ist es wichtig, übergreifende Behandlungsprinzipien im Sinne von CIM zu verstehen und in Zusammenarbeit mit Menschen mit SSc, deren Familien und an der Betreuung beteiligter Fachpersonen zu optimieren.

ZIELE

Das Hauptziel dieser Studie ist die Entwicklung eines neuen, klinisch praktikablen CIM-Versorgungsmodells für Menschen mit SSc und deren Familien, welches in Bezug auf Gesundheitsergebnisse in dieser Population evaluiert werden kann.

METHODEN

Zur Entwicklung des Versorgungsmodells werden qualitative und quantitative Forschungsmethoden angewendet (6). Im ersten Schritt werden wir in einem Scoping Review bereits getestete/implementierte Betreuungsmodelle für Patienten mit seltenen Erkrankungen sowie Anforderungen für das CIM von Menschen mit SSc zusammenfassen (7). In einem zweiten Schritt wird eine quantitative Querschnittsstudie durchgeführt, um die aktuelle CIM-Praxis bei Patienten und Fachpersonen zu erfassen. Mittels qualitativen Interviews soll zudem ein vertieftes Verständnis von in der Querschnittstudie identifizierten Mechanismen gewonnen werden (8). Im dritten Schritt soll zusammen mit Patienten und Fachpersonen im Rahmen einer Delphi-Studie ein zukünftiges CIM basiertes Versorgungsmodell für Patienten mit SSc entwickelt und beschrieben werden. Zudem sollen für die Evaluation Prozess- und Patientenergebnisse definiert werden, welche zentral sind für das neue CIM-Modell für SSc Patienten (9).

ERWARTETER NUTZEN

Die MANOSS Studie wird zum Verständnis der Bedürfnisse und Erwartungen von Menschen mit SSc und deren Familie an eine spezifische Gesundheitsversorgung beitragen und auch die Sicht der betreuenden Fachpersonen im Schweizer Gesundheitssystem aufzeigen. Basierend auf dieser Grundlage wird ein optimales und überprüfbares CIM-Modell entwickelt, welches das Potential hat die Gesundheit und ökonomische Outcomes von Menschen mit SSc zu verbessern.

FORSCHUNGSGRUPPE

Agnes Kocher1,3
Dunja Nicca1
Michael Simon1,2
Andrew Dwyer4
Peter M. Villiger3

1 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
2 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
3 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitätsklinik für Rheumatologie, Immunologie und Allergologie, Schweiz
4 Institut universitaire de formation et de recherche en soin, Universität Lausanne, Schweiz

REFERENZEN

1. Barnes, J. and M.D. Mayes, Epidemiology of systemic sclerosis: incidence, prevalence, survival, risk factors, malignancy, and environmental triggers. Curr Opin Rheumatol, 2012. 24(2): p. 165-70.
2. Garrino, L., et al., Living with and treating rare diseases: experiences of patients and professional health care providers. Qual Health Res, 2015. 25(5): p. 636-51.
3. Wagner, E.H., Chronic disease management: what will it take to improve care for chronic illness? Eff Clin Pract, 1998. 1(1): p. 2-4.
4. Thombs, B.D., et al., New directions for patient-centred care in scleroderma: the Scleroderma Patient-centred Intervention Network (SPIN). Clin Exp Rheumatol, 2012. 30(2 Suppl 71): p. S23-9.
5. Bodenheimer, T., et al., Patient self-management of chronic disease in primary care. JAMA, 2002. 288(19): p. 2469-75.
6. Creswell, J.W. and V.L. Plano Clark, Designing and conducting mixed methods research. 2nd edition ed. 2011, California: Sage Publications.
7. Moher, D., et al. Preferred Reporting Items for Systematic Reviews and Meta-Analyses: The PRISMA Statement. 2009 [cited 2016 30.03.2016]; Available from: http://www.equator-network.org/reporting-guidelines/prisma/
8. Braun, V. and V. Clarke, Using thematic analysis in psychology. Qualitative Research in Psychology, 2006. 3(2): p. 77-101.
9. Hsu, C. and B.A. Sandford, The Delphi Technique: Making Sense of Consensus. Practical Assessment Research & Evaluation, 2007. 12(10).

MatchRN

MATCHING REGISTERED NURSE SERVICES WITH CHANGING CARE DEMANDS (MATCHRN): AUSWIRKUNGEN DER SWISSDRG-EINFÜHRUNG AUF DIE PFLEGEQUALITÄT UND -SICHERHEIT MEDIZINISCHER UND CHIRURGISCHER ABTEILUNGEN

HINTERGRUND

Im Gesundheitswesen wird Qualität als sicher, wirksam, patientenzentriert, zeitnah, effizient und fair definiert. Um diese Kriterien zu erreichen und die Qualität kontinuierlich zu verbessern, muss die Versorgungsqualität transparent abgebildet werden. Die zweite Erhebung der MatchRN Studie baut auf die vor der Einführung der SwissDRG in der Schweiz durchgeführten Studien Rationing of Nursing Care in Switzerland (RICH Nursing) (1), den Schweizer Teil der EU Studie Registered Nurse Forecasting (RN4CAST) (2) sowie der ersten Erhebung von MatchRN in 2015 auf. Die verschiedenen Messzeitpunkte erlauben es die Arbeitsumgebung von Pflegenden zu beschreiben und deren Veränderungen im zeitlichen Verlauf darzustellen.

Die MatchRN Studie folgt dem Modell von Dubois 2013 (3), um die Pflegeleistungen und -qualität abzubilden. Zur Erfassung der Arbeitsumgebung und Identifizierung von Bereichen, in denen diese verbessert werden kann, werden in den beteiligten Spitälern Personal- und Patientenbefragungen durchgeführt. Bei diesen werden jeweils Struktur-, Prozess- und Ergebnisindikatoren der Arbeitsumgebungsqualität, Stellenbesetzung und Skill Mix / Team Mix, unterlassene notwendige Pflege, Patientensicherheit, Betreuungsqualität und Patientenzufriedenheit erfasst.

ZIELE

Mit der MatchRN Studie werden folgenden Ziele verfolgt:

  • In den beteiligten Studienspitälern die pflegerischen Strukturen und Prozesse hinsichtlich Arbeitsumgebungsqualität, Skill und Grade Mix, pflegerische Tätigkeiten, Patientensicherheit und Behandlungsqualität sowie pflegerische und patientenbezogenen Ergebnisse auf Abteilungs- und Spitalebene über einen longitudinalen Zeitraum zu erfassen und zu beschreiben.
  • In den beteiligten Studienspitälern den Einfluss pflegerischer Prozesse und Strukturen auf ausgewählten pflegerische und patientenbezogenen Ergebnisse zu untersuchen.
  • Den beteiligten Studienspitälern ein Benchmarking zur Verfügung zu stellen, welches hinsichtlich der ausgewählten Indikatoren einen internen Vergleich auf Abteilungsebene sowie einen externen Vergleich mit den anderen beteiligten Spitälern ermöglicht.  

METHODEN

Die MatchRN Studie umfasst im Einzelnen:

  • Durchführung von zunächst zwei Datenerhebungen, 2015/2016 und 2017/2018, zu den festgelegten Themenbereichen.
  • Entwicklung eines Systems für das Benchmarking auf Abteilungs- und Spitalebene und Erstellung eines Benchmarking-Berichts zu den ausgewählten Indikatoren und Ergebnissen.
  • Kommunikation der Ergebnisse (Publikationen, Präsentationen an Konferenzen). 

ERWARTETER NUTZEN

Prozess- und Strukturänderungen von pflegerischen Tätigkeiten sowie Arbeitsbedingungen von Pflegenden und deren Einfluss auf Patienten- und Pflegendenoutcomes werden über einen longitudinalen Zeitraum erfasst und beschreiben. Beteiligte Spitäler können sich auf Grundlage der Ergebnisse vergleichen sowie Massnahmen zur Optimierung bestimmter Outcomes wie z. B. Patientensicherheit, Betreuungs- und Arbeitsumgebungsqualität einleiten.  

FORSCHUNGSGRUPPE 

Stefanie Bachnick1
Maria Schubert1,2
Narayan Scharma1
Dietmar Ausserhofer1,3
René Schwendimann1,4
Cédric Mabire5
Sabina De Geest1,6
Michael Simon1,2

1 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
2 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
3 Claudiana, Landesfachhochschule für Gesundheitsberufe, Bozen, Italien
4 Abteilung Patientensicherheit, Universitätsspital Basel, Schweiz
5 Haute école de santé vaud, Lausanne, Schweiz
6 Academic Center for Nursing and Midwifery, Department of Primary Care and Public Health,
 KU Leuven, Belgien

REFERENZEN

1. Schubert et al. (2008). Rationing of nursing care and its relationship to patient outcomes: the Swiss extension of the International Hospital Outcomes Study. Int J Qual Health Care, 20(4), 227-237.
2. Sermeus et al. (2011). Nurse Forecasting in Europe (RN4CAST): Rationale, design and methodology. BMC Nurs, 10(1).
3. Dubois, C. A., et al. (2013). "Conceptualizing performance of nursing care as a prerequisite for better measurement: a systematic and interpretive review." BMC Nurs 12(7).

RANCARE

RANCARE: „RATIONING - MISSED NURSING CARE" - "RATIONIERUNG - UNTERLASSEN VON PFLEGE" - EU COST ACTION

HINTERGRUND

Die EU COST Action RANCARE „Rationing - Missed Nursing Care: An international and multidimensional Problem“ ist eine internationale Netzwerkaktivität, an welcher gegenwärtig 85 Wissenschaftler(in)nen und Expert(inn)en aus 27 EU COST Ländern sowie acht Institutionen internationaler Partnerländer beteiligt sind. https://www.rancare-action.eu/
Diese COST Action baut auf verschiedenen zum Thema Rationierung, Unterlassung, Priorisierung von Pflege durchgeführte Studien auf [1-12]. Diese Studien unterstreichen einerseits die Bedeutung dieser Thematik, andererseits zeigen sie aber auch auf, dass zu viele Inhalten und Fragestellungen, wie z.B. Konzeptualisierung, ethische Fragestellungen, Interventionen zur Reduzierung der Rationierung oder Regulierung der Priorisierung, noch wenig Evidenz vorliegt. 

ZIELE

Das Ziel dieser COST Action ist es deshalb die Thematik Rationierung und Priorisierung von Pflege in einem länderübergreifenden Ansatz zu bearbeiten, weiterzuentwickeln und Implikationen für die klinische Praxis und professionelle Entwicklung sowie Forschungsprojekte zu generieren.

METHODEN

RANCARE ist primär eine Netzwerkaktivität, bei welcher im Rahmen von vier internationalen Arbeitsgruppen (AG) die folgenden Inhalte bezogen auf die Zielsetzung bearbeitet werden:
AG 1) Konzeptionelles Problem des Phänomens
AG 2) Entwicklung von evidenzbasierten Interventionen
AG 3) Ethische Problemstellungen
AG 4) Ausbildung

Neben diesen vier AGs werden in zwei horizontalen Komitees, dem 1) Trainingskomitee und dem 2) Disseminations-/Webseiten Komitee, Inhalte, wie die "Training School", Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, Kommunikation der erarbeiteten Inhalte, Organisation von Workshops und Konferenzen, Verbreitung der erarbeiteten Inhalte, bearbeitet. Die erarbeiteten Ergebnisse und gewonnen Erkenntnisse werden jeweils im Rahmen dieser Gefässe international vorgestellt und diskutiert.
Laufzeit COST Action RANCARE: 20.09.2016-19.09.2020.

ERWARTETER NUTZEN

Es ist davon auszugehen, dass durch diese COST Action und der hiermit verbundenen Vernetzung von internationalen Wissenschaftler(in)en und Expert(in)en verschiedener Disziplinen das Wissen zu dieser Thematik weiterentwickelt sowie relevante Interventionen entwickelt und implementiert werden können. Im Weiteren, das hieraus verschiedene Forschungsgesuche und Drittmittelprojekte für die weiterführende Untersuchung dieser Thematik generiert werden können.

MANAGEMENTKOMITEE (PROJEKTTEAM)

Leitung
Prof. Dr. Evridiki Papastavrou1, Zypern (Leiterin)
Prof. Dr. Helena Leino Kilpi2, Finnland (stv. Leiterin)

Leitungen Arbeitsgruppen
AG 1: Prof. Walter Sermeus3
AG 2: Dr. Maria Schubert4,5,6
AG 3: Prof Ritta Suhonen7
AG 4: Prof. Olga Riklikiene8

Mitglieder /Ländervertretungen
Schweiz: Dr. Maria Schubert4,5,6 & Prof. Dr. Michael Simon4,6
Die anderen Mitglieder des Managementkomitees können der RANCARE Website entnommen werden https://www.rancare-action.eu/

1 Cyprus University of Technology, Limassol, Zypern
2 University of Turku, Finnland
3 Institute for Healthcare Management and Policy, Leuven, Belgien
4 Insel Gruppe, Inselspital, Universitätsspital Bern, Bereich Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
5 Insel Gruppe, Inselspital, Universitätsspital Bern, Bereich Fachentwicklung, Schweiz
6 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
7 Department of Nursing Science, University of Turku, Finnland
8 Lithuanian University of Health Sciences, Kaunas, Lithuania

LITERATUR

1. Papastavrou, E., et al., The relationship between individualized care and the practice environment: an international study. Int J Nurs Stud, 2015. 52(1): p. 121-33.
2. Papastavrou, E., et al., Rationing of Nursing Care Within Professional Environmental Constraints: A Correlational Study. Clin Nurs Res, 2013.
3. Papastavrou, E., P. Andreou, and S. Vryonides, The hidden ethical element of nursing care rationing. Nurs Ethics, 2014. 21(5): p. 583-93.
4. Schubert, M., et al., Levels and correlates of implicit rationing of nursing care in Swiss acute care hospitals--a cross sectional study. Int J Nurs Stud, 2013. 50(2): p. 230-9.
5. Schubert, M., et al., Rationing of nursing care and its relationship to patient outcomes: the Swiss extension of the International Hospital Outcomes Study. Int J Qual Health Care, 2008. 20(4): p. 227-37.
6. Kalisch, B.J., Missed nursing care: a qualitative study. J Nurs Care Qual, 2006. 21(4): p. 306-13; quiz 314-5.
7. Kalisch, B.J., G. Landstrom, and R.A. Williams, Missed nursing care: errors of omission. Nurs Outlook, 2009. 57(1): p. 3-9.
8. Kalisch, B.J., G.L. Landstrom, and A.S. Hinshaw, Missed nursing care: a concept analysis. J Adv Nurs, 2009. 65(7): p. 1509-17.
9. Kalisch, B.J. and R.A. Williams, Development and psychometric testing of a tool to measure missed nursing care. J Nurs Adm, 2009. 39(5): p. 211-9.
10. Jones, T.L., P. Hamilton, and N. Murry, Unfinished nursing care, missed care, and implicitly rationed care: State of the science review. Int J Nurs Stud, 2015. 52(6): p. 1121-37.
11. Ausserhofer, D., et al., The association of patient safety climate and nurse-related organizational factors with selected patient outcomes: a cross-sectional survey. Int J Nurs Stud, 2013. 50(2): p. 240-52.
12. Ausserhofer, D., et al., Prevalence, patterns and predictors of nursing care left undone in European hospitals: results from the multicountry cross-sectional RN4CAST study. BMJ Qual Saf, 2014. 23(2): p. 126-35.

WER@INSEL

WER@INSEL- EIN VORHERSAGEMODELL FÜR DIE PERSONALAUSSTATUNG IN DER STATIONÄREN PFLEGE

HINTERGRUND

Studien zeigen, dass niedrige Pflegepersonalausstattung zu negativen Patientenoutcomes führen kann und unterstreichen damit die Bedeutung einer angemessenen Anzahl von Pflegefachpersonen pro Schicht (z. B. ausreichende Anzahl an diplomierten Pflegefachpersonen und nicht-diplomierten Pflegenden), um auf die Bedürfnisse der Patienten entsprechend eingehen zu können (1). Die systematische Literaturübersicht zu den „Richtlinien für die sichere Personalausstattung in der Akutversorgung“ des National Institute for Health and Care Excellence (NICE), England,  zeigt eine Liste von potentiellen negativen Patientenoutcomes (Mortalität, Stürze, Krankenhausinfektionen, Medikamentenfehler und Rationierung pflegerischer Tätigkeiten), die mit zu wenig Personalressourcen in Verbindung stehen (1). Aktuell ist die Literatur über den Zusammenhang der Pflegepersonalausstattung und Patientenergebnissen lückenhaft (2).Zusammengefasst kann festgehalten werden, dass zu wenig Pflegepersonal (3) zu unerwünschten Patientenoutcomes (4,5) und zu Kostensteigerung im Gesundheitswesen führen kann (6). Es ist daher wichtig, den Zusammenhang zwischen angemessener Pflegepersonalausstattung und sicheren Patientenoutcomes zu verstehen, um eine sichere und effektive Pflege im Spital planen zu können.

ZIELE

Das Hauptziel dieser Studie ist die Entwicklung einer Methode zur Personalbedarfsplanung von Pflegenden pro Schicht. Dies soll auf Grundlage von routinemässig erhobenen Daten entwickelt werden.

Die spezifischen Ziele der WER@INSEL Studie sind:

  • Beschreibung des Pflegepersonalbedarfs und der tatsächlichen Personalausstattung pro Schicht.
  • Entwicklung eines prädiktiven Modells zur Vorhersage des Pflegepersonalbedarfs.
  • Validierung des prädiktiven Modells durch den Vergleich mit der tatsächlichen Personalausstattung unter Berücksichtigung von unerwünschten Patienten- Ereignisse

METHODEN

Im ersten Schritt wird eine explorative Datenanalyse durchgeführt. Diese Analyse wir die Pflegeminuten pro PatientIin in unterschiedlichen Schichten (Früh vs. Spät vs. Nacht), an unterschiedlichen Arbeitstagen (Wochentag vs. Wochenende) und unterschiedlichen Zeiträumen im Jahr (Urlaubszeit, Feiertage) beschreiben. Darauf aufbauend wird ein Muster der geleisteten Minutenpflege erstellt und Schichten, Tage und/oder Jahreszeiträume identifiziert, welche eine Verdichtung der Arbeit darstellen.
In einem zweiten Schritt werden die relevanten Variablen aus den bestehenden Daten zur Personalausstattung bestimmt. Dazu werden  Variablen der in der Literatur verwendeten Personalausstattungs-Tools wie z. B. das „Safer Nurse Care Tool“ (7) und das „Oncology Acuity Tool“ genutzt (8, 9). Basierend auf diesen Informationen wird ein prädiktives Modell für Personalausstattung entwickelt.
Im dritten und letzten Schritt erfolgt die Überprüfung des prädiktiven Modells für Personalausstattung mit dem aktuell verwendeten Personalsystem (Tacs® und Polypoint PEP) des Inselspital, Universitätsspital Bern.

ERWARTETER NUTZEN

Die Literatur zeigt, dass Unterbesetzungen im Pflegebereich im Alltag mit unerwünschten Ereignissen für die Patienten verbunden ist, wie zum Beispiel einer längeren Hospitalisationsdauer oder Rehospitalisation. Die Entwicklung eines prädiktiven Modells für die Pflegepersonalbesetzung hilf dabei, die Pflegequalität während des Spitalaufenthaltes der Patienten zu optimieren. 

FORSCHUNGSGRUPPE 

Sarah N. Musy1,2
Peter Griffiths3
Michael Simon1,2

1 Inselgruppe Universitätsspital Bern, Universitäre Forschung Pflege/Hebammen, Schweiz
2 Institut für Pflegewissenschaft, Universität Basel, Schweiz
3 National Institute for Health Research Collaboration for Leadership in Applied Health Research and Care (Wessex), University of Southampton, England

REFERENZEN

1. Griffiths et al. (2014): The association between patient safety outcomes and nurse/healthcare assistant skill mix and staffing levels & factors that may influence staffing requirements.
2. Needleman (2015): Nurse Staffing: The Knowns and Unknowns.
3. Manojlovich et al. (2011): Nurse dose: linking staffing variables to adverse patient outcomes.
4. Aiken et al. (2002): Hospital nurse staffing and patient mortality, nurse burnout, and job dissatisfaction.
5. Mark et al. (2007): Does safety climate moderate the influence of staffing adequacy and work conditions on nurse injuries?
6. Cho et al. (2003): The effects of nurse staffing on adverse events, morbidity, mortality, and medical costs.
7. Patrician et al. (2011): The association of shift-level nurse staffing with adverse patient events.
8. Preventing Medication Errors. Quality Chasm Series. Institute of Medicine. 2006.
9. Palese et al. (2014) Unexpected deaths in medical wards during night shifts: a narrative analysis of nursing experiences.

Kontakt

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Bereich Universitäre Forschung Pflege/Hebammen
Direktion Pflege/MTT
Insel Gruppe
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