Geschichte des Inselspitals

In Bern wütet um 1350 die Pest - mit verheerenden Folgen. Dies dürfte den späteren Entscheid der verwittweten, kinderlosen Bernburgerin Anna Seiler entscheidend beeinflusst haben: sie betreute zu jener Zeit Kranke im "Spital vor den Predigern" in Bern.
Am 29. November 1354 legt Anna Seiler ihr Testament ab und stiftet ein Spital mit 13 Betten, das "stets und ewig" Bestand haben soll. Kurz vor dem 14. August 1360 - das genaue Datum ist nicht überliefert - stirbt Anna Seiler. Das "Spital vor den Predigern", an der heutigen Zeughausgasse in Bern gelegen, wird unter dem Namen "Seilerin Spital" weitergeführt.

1531
zieht das "Seilerin-Spital" mit mittlerweile 34 Krankenbetten in das leerstehende Kloster der Dominikanerinnen "St. Michaels Insel". Von diesem Gebäude, am Standort des heutigen Bundeshauses Ost gelegen, bezieht das Inselspital seinen Namen.

Das "Insel"-Spitalgebäude brennt 1713 vollständig nieder. Fünf Jahre später wird an gleicher Stelle mit dem Wiederaufbau begonnen. Im Jahr 1724 wird das neue Spital eröffnet - und ist einem "königlichen Palast ähnlicher denn einem Hospital". Es bietet Platz für die Behandlung 70 Erwachsenen und 12 Kindern.
Mit dem Einfall der Franzosen 1798/99 dient die "Insel" den Truppen Kaisers Napoleon als Militärspital und fehlt so den knapp 20'000 Bernerinnen und Bernern für die medizinische Versorgung.

1809 enteignet der "Canton Bern" enteignet der "Insel" das Vermögen und sie verliert ihre Selbständigkeit. Andererseits findet die Zeit als Militärspital damit ihr Ende. Das Spital steht nun wieder der Zivilbevölkerung offen. Seine Autonomie erlangt das Spital 1841 zurück. In einem "Dotationsvertrag" mit dem Staat Bern werden die gegenseitigen Rechte und Pflichten verankert. Die "Insel" übernimmt nun erstmalig die Ausbildung von Medizinstudenten und führt tägliche "Krankenschauen" ein, an denen "Heilkundige sowie Bruch- und Steinschneider" teilnehmen.
Um 1880 platzt die "Insel" aus allen Nähten; die Infrastruktur des Spitals vermag mit den steigenden Patientenzahlen und immer neuen medizinischen Anforderungen nicht mehr Schritt zu halten. Auf dem der Stiftung gehörenden "Kreuzmatt-Areal", dem heutigen Standort des Inselspitals, wird 1885 ein neues Spital mit 340 Betten bezogen. Die Patienten werden weiterhin unentgeltlich behandelt. Recht bald ist auch das neue Spital überbelegt.

Zwischen 1958 und 1978 erfolgt ein umfangreicher Umbau der "Insel". Grosse Teile der Spitalbauten von 1884/85 werden abgerissen; das Inselspital erhält ein neues Gesicht. Es entstehen das Bettenhochhaus, der Operationstrakt, Personalhäuser, das Wirtschaftsgebäude, das Labor- und Werkstattgebäude, der Polikliniktrakt 1 und die neue Kinderklinik.
Im Jahr 1990 gibt sich das Inselspital eine neue Struktur und betritt damit europaweit Neuland. Das Spital wird nun nach unternehmerischen Grundsätzen geführt. Die ärztlichen sowie pflegerischen Bereiche werden in die Gesamtführung eingebunden. 1999 folgt eine weitere Strukturanpassung: die fast 40 Universitätskliniken und -institute des Inselspitals werden in neun teilautonomen Departementen zusammengefasst. Davon profitieren vor allem die Patienten: die Behandlungsprozesse werden ganzheitlicher und optimaler.

Die Kantonsregierung beschliesst Ende 2009 den Zusammenschluss von Inselspital mit den Spitälern der Spital Netz Bern AG. Das Projekt "Stärkung des Medizinalstandorts Bern SMSB" bezweckt, die steigenden Kosten im Gesundheitswesen zu optimieren und im interkantonalen Spitalwettbewerb bestehen zu können.
Nach zwölfjähriger Bauzeit wird im Mai 2012 das neue Intensivbehandlungs-, Notfall- und Operationszentrum (INO) eröffnet. Das INO ersetzt die Operationstrakte Ost und West aus den Sechziger- und Siebzigerjahren des  letzten  Jahrhunderts.  Im  Neubau  untergebracht  sind  auf  einer  Fläche  von  insgesamt  rund  50’000  Quadratmetern  neben  Operationssälen  und  dem  Notfallzentrum  auch  die zentralen  Labors  des  Spitals,  die  zentrale  Sterilgutversorgung,  die  Intensivmedizin,  die Radiologie  und  die  Nuklearmedizin  sowie  verschiedene  Untersuchungs-  und  Spezialräume.
Mit einer Volksabstimmung wird 2015 ein planerischer und baulicher Meilenstein erreicht: Die darin gutgeheissene "Überbauungsordnung (UeO)  Insel Areal III" sichert das Projekt "Masterplan Inselspital" ab. Damit soll das Inselspital auch in Zukunft baulich mit der rasanten medizinischen Entwicklung schritthalten können. Zusätzlich werden mit der UeO Insel Areal III hochwertige Aussenräume erhalten und neue erschaffen sowie wichtige historische Gebäude geschützt.
Die ersten zwei Bauprojekte werden in Angriff genommen.

01.01.2016 - Das Inselspital fusioniert mit den Spitälern der Spital Netz Bern AG (Spitäler Aarberg, Münsingen, Riggisberg, Tiefenau und Ziegler sowie Spital und Altersheim Belp) zur Insel Gruppe AG.  Durch diese Vernetzung entsteht das erste und grösste medizinische Vollversorgungssystem der Schweiz. Die Insel Gruppe bietet ihren Patientinnen und Patienten stets die optimale Medizin und Pflege: von der Grundversorgung bis zur universitären Spitzenmedizin.